Prolaktin
Prolaktin ist das Stress- und Bindungs-Hormon der Hypophyse.
Einheit: ng/ml
Was ist das?
Prolaktin ist vor allem als Stillhormon bekannt, wirkt aber bei beiden Geschlechtern auch als Stress-Signal und beeinflusst die Sexualfunktion: Dauerhaft hohe Werte bremsen die Steuerhormone LH und FSH und damit die Bildung von Testosteron und Östrogen. Folge können Libidoverlust und Erektionsstörungen (Männer) oder Zyklusstörungen (Frauen) sein. Weil das eine häufige und gut behebbare Ursache ist, ist Prolaktin bei unklaren Sexual-/Hormonsymptomen mit niedrigem LH/FSH ein Pflicht-Test. Wichtig: Stress bei der Blutabnahme kann den Wert kurzzeitig heben, deshalb auffällige Werte immer nach Ruhe wiederholen.
Prolaktin wird in der Hirnanhangdrüse gebildet. Anders als die meisten Hormone wird es nicht angeregt, sondern dauerhaft durch den Botenstoff Dopamin gebremst. Alles, was Dopamin senkt (bestimmte Medikamente, Stress, Stillen), hebt daher Prolaktin. Auch das Schilddrüsen-Steuerhormon TRH regt Prolaktin an. Deshalb ist Prolaktin bei Schilddrüsen-Unterfunktion oft erhöht. Hauptwirkung: Aufbau der Milchdrüse und Milchbildung. Nebenwirkung bei Überschuss: Es drosselt die Sexualhormon-Steuerung.
Was bedeutet der Wert?
Ein erhöhtes Prolaktin ist eine häufige, oft reversible Ursache für Sexual- und Fruchtbarkeitsstörungen. Die Abklärung erfolgt in Stufen:
Was beeinflusst den Wert?
- Stress (auch der Abnahme-Stress, nach 30 Min Ruhe wiederholen)
- Schlafmangel (nächtlicher Rhythmus gestört)
- Körperliche Belastung 24 h vor der Abnahme
- Medikamente: bestimmte Psychopharmaka (stark), Antidepressiva (mäßig), Übelkeitsmittel, Blutdruckmittel, Östrogene, Opioide
- Schwangerschaft + Stillzeit (natürlich stark erhöht)
- Schilddrüsen-Unterfunktion
- Nieren-/Leberschwäche
- Reize an der Brustwand (Trauma, enge BHs, Gürtelrose)
- Prolaktinom (Hirnanhangdrüsen-Tumor)
- Makroprolaktin (biologisch inaktiv, Mess-Artefakt)
Bereiche je Gruppe
- Männer: Laborbereich: 3,5 bis 19,4 ng/ml
- Frauen nach der Menopause: Laborbereich: bis 16 ng/ml
Was ist das?
Prolaktin (PRL) ist ein einkettiges Polypeptid-Hormon (~199 AS, ~23 kDa Monomer), synthetisiert in den laktotropen Zellen der Adenohypophyse. Sekretion ist tonisch durch Dopamin aus dem Hypothalamus GEHEMMT (Prolaktin-Inhibitions-Faktor), anders als andere Hypophysen-Hormone, die durch Releasing-Hormone stimuliert werden. Folge: alle Faktoren die hypothalamische Dopamin-Aktivität senken (Antipsychotika, Stress, Stillen) erhöhen Prolaktin. TRH (Thyrotropin-Releasing-Hormone) stimuliert Prolaktin zusätzlich; daher Hyperprolaktinämie bei Hypothyreose. Hauptwirkung: Stimulation der Milchdrüsen-Entwicklung + Laktations-Initiation. Sekundärwirkung: Suppression der hypothalamischen GnRH-Sekretion → reduzierte LH/FSH- Pulsatilität → reduzierte Testosteron-/Östradiol-Synthese. Zirkadiane Sekretion mit nächtlichem Peak; Schlaf-Defizit kann Werte verzerren.
Was bedeutet der Wert?
Hyperprolaktinämie ist häufige und reversible Ursache für sekundären Hypogonadismus bei Männern (Libido-Verlust + erektile Dysfunktion + reduzierte Fertilität) und bei Frauen (Zyklus-Störung, sekundäre Amenorrhö, Galaktorrhö, Infertilität). Differenzialdiagnostik der Hyperprolaktinämie (Melmed 2011):
Was beeinflusst den Wert?
- Stress (akute Stress-Spike, Venenpunktion-Stress; Wiederholung nach 30 Min Ruhe)
- Schlaf-Defizit (zirkadianer Rhythmus gestört)
- Körperliche Belastung 24 h vor Abnahme (sport-bedingte Erhöhung)
- Medikamente: Antipsychotika (Risperidon, Sulpirid, Haloperidol; stark), SSRIs (moderat), Metoclopramid, Domperidon, Verapamil, Östrogene, Opioide
- Schwangerschaft + Stillzeit (physiologisch stark erhöht)
- Hypothyreose (TRH stimuliert Prolaktin)
- Niere-/Lebersinsuffizienz (Clearance-Reduktion)
- Brustwand-/Thoraxwand-Reize (Trauma, enge BHs, Herpes zoster)
- Prolaktinom (Mikro- oder Macroprolaktinom)
- Macroprolaktin (biologisch inaktiv, methodisches Artefakt)
Bereiche je Gruppe
- Männer: Laborbereich: 3,5 bis 19,4 ng/ml
- Frauen nach der Menopause: Laborbereich: bis 16 ng/ml
